Textatelier "Wortlaut"

Glück

Ich stand auf einem hohen Turm in einem historischen Städtchen in Mittelitalien, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern kann. Es war Abend und eine leichte Brise brachte die Wärme des ausglühenden Tages und den Duft des Sommers zu mir, die ich, 18 Jahre jung, gierig mit meinen Augen die in der Dämmerung zerfließenden Konturen des fernen Horizonts abtastete. Unter mir tummelten sich verkleidete Ritter, die Turniere ausfochten, Schwertschlucker, Gaukler und Feuerspucker, die ihre Kunst vor unzähligen fröhlichen und lachenden Besuchern zum Besten gaben. Ich breitete meine Arme aus und lächelte. Das bunte Spektakel unter mir war so verheißungsvoll wie die laue Nacht, die eben sternenklar am Himmel über mir geboren wurde. Die Welt lag vor mir wie das ausgelassene Fest zu meinen Füßen, das nun voll im Gange war. Sie lockte mich mit tausend Abenteuern, sie rief mir zu, sie riss mich in ihren Bann. Das Leben selbst hatte mich eingeladen, es zu feiern, und ich konnte es kaum erwarten, seinem Ruf zu folgen. Frei und mutig, voller Kraft und Lust.

Glück bedeutet für mich eine Wahl zu haben. Entscheidungen treffen zu können. Die Möglichkeit zu haben, selbstbestimmt mein Leben zu gestalten.